Zur Geschichte der Gesellschaft für Bildende Kunst Trier e.V.

Am 18.3.1930 wurde der Verein Bildende Künstler und Kunstfreunde im Bezirk Trier gegründet. Im November 1930 präsentiere er sich in seinem Ausstellungslokal, den vornehmen Räumen des Casinos am Kornmarkt, erstmals mit einer Ausstellung in der Öffentlichkeit. Schon vorher gab es verschiedene Anläufe zur Etablierung eines Kunstvereins, wie der Trierer Künstlergilde 1920, die in engster Verbindung zur Handwerker- und Kunstgewerbeschule stand. Es folgten die Malergruppe Trier 1921, die Freie Vereinigung Trierer Künstler 1926 und die Neue Vereinigung 1927. Bis auf die Künstlergilde waren diese Gruppierungen zum Zeitpunkt der Gründung des Vereins Bildender Künstler im Jahre 1930 aber bereits wieder von der Bildfläche verschwunden. Die Künstlergilde und der Verein Bildender Künstler bestanden einige Zeit nebeneinander.

Zum Verein Bildender Künstler und Kunstfreunde gehörten damals als aktive Künstler: Hans Adamy, Wilhelm Buddenberg, Peter Krisam, Willy Laros, Martin Mendgen, Alexander Mohr, Peter Philippi, Fritz Quant, Hanns Schlösser und Anton Schneider-Postrum, den Vorsitz übernahm Wilhelm Rautenstrauch, der für das Kulturleben so bedeutende Förderer. Der neue Verein nahm einen großen Teil der Mitglieder früherer Vereinigungen auf um die Bündelung aller kulturell interessierten Kräfte zu ermöglichen und ein Forum für die Künstler zu schaffen. Entsprechend gab es eine ganze Reihe Künstler, die in beiden Gruppen vertreten waren. Interessant ist, dass es im Verein Bildender Künstler und Kunstfreunde zunächst keine weiblichen Künstler gab, während die Künstlergilde damals schon zu einem Drittel aus Frauen bestand. Nur allmählich änderte sich dies bis zu einem ausgewogenen Verhältnis von heute.

Im Jahre 1932 fanden insgesamt drei Ausstellungen des Vereins im Casino statt, und wie man im Trierischen Volksfreund lesen konnte, waren sie sehr gut besucht.

Bis auf wenige Ausnahmen wurden fast alle Trierer Künstler von der Aufnahmejury in das nationalsozialistische Reichskartell der Bildenden Künste aufgenommen, so dass auch im weiteren Verlauf Ausstellungen stattfinden konnten. Während des Krieges löste sich der Verein Bildende Künstler und Kunstfreunde auf, Ausstellungen früherer Mitglieder gab es nur noch vereinzelt wie die von Anni Höfgen- Hempel im Jahre 1942.

Nach den Wirren des Krieges wurde der Verein wiederbelebt und unter dem Namen Gesellschaft Bildender Künstler und Kunstfreunde e.V. Trier im Winter 1950/51 wiedergegründet. Der Jahresbeitrag lag damals  übrigens bei 6.--DM. Eine große Anzahl führender Persönlichkeiten trat dem Ehrenausschuss bei, den Vorsitz übernahm Regierungspräsident Dr. Wilhelm Steinlein.  Unterstützung bekam die Gesellschaft vom Städtischen Museum und dessen damaligem Direktor Dr. Walter Dieck, der seine Räume als neues Ausstellungslokal für die Jahresausstellungen zur Verfügung stellte. Daraus entwickelte sich eine Tradition, die bis in die 80er- Jahre hinein vorhielt.

Bei der ersten Jahresausstellung 1951 waren 44 Künstler und 8 Künstlerinnen vertreten, darunter Walter Bettendorf, Guido Bidinger, Klaus Kordel, Erich Kraemer, Werner Persy, Anton Veit und Jupp Zimmer, Künstler, die uns leider mittlerweile verlassen haben oder die heute selber zur „älteren Generation“ gehören.

Die Jahresausstellungen boten allen Mitgliedern die Möglichkeit, Rechenschaft über ihr Schaffen abzulegen, darüber hinaus stellte die Paulinus-Buchhandlung in den Wintermonaten ihre Räume für Einzelausstellungen zur Verfügung. Der erste bebilderte Katalog erschien im Jahre 1954. Über 280 Mitglieder hatte der Verein damals bereits aufzuweisen.

Die Gesellschaft veranstaltete jedoch nicht nur Ausstellungen. Berühmtheit erlangte der sog. Bal inclusiv, das Karnevalsfest in der Steipe, dessen Tombola regelmäßig zusätzliche Mittel für die Vereinsarbeit einbrachte. Außerdem wurden regelmäßig Vortragsabende und Kunstfahrten organisiert.

Unter dem Vorsitz von Dr. Hubert Töller und dessen Geschäftsführer Hans Seiwert konnte die Gesellschaft in den 60er-Jahren große Erfolge verbuchen. Unterstützt von Dr. Emil Zenz erhielt sie auf einstimmigen Stadtratsbeschluss im Dezember 1967 Räume im vorderen Teil des Palais Walderdorff. Der erste, der das neue Domizil mit einer Einzelausstellung einweihen durfte, war seinerzeit Prof. Erich Kraemer. In den folgenden Jahren wurden die Geschicke des Vereins von den Vorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Orth, Werner Persy, Dr. Dieter Ahrens, Meinhard Lentz, Kurt Bohr, Klaus Swoboda und Waltraud Jammers gelenkt.

Nach der Generalsanierung des gesamten Palais Walderdorff um die Jahrtausendwende zog die Galerie in Räume im neugebauten Teil neben die Stadtbücherei im hinteren Bereich des historischen Gebäudekomplexes. Dem von 1998 bis 2009 amtierenden 1. Vorsitzenden Horst Schmitt gelang es, durch Kooperationen mit Kunstvereinen und Kulturträgern in der Großregion das Wirken der Gesellschaft auch über die Grenzen hinaus zu erweitern. Lydia Oermann übernahm den Vorsitz bis Anfang 2014. Gemeinsam mit Dr. Bärbel Schulte (2.Vorsitzende) meisterte der Verein große finanzielle Probleme und öffnete sich Maßnahmen zur Professionalisierung. 

2012 verabschiedeten sich die langjährige ehrenamtliche Geschäftsführerin Hanne Oberbillig und Rosi Reininger, die viele Jahre die Galerie betreut hatte.

Seit Anfang 2014 ist Katharina Worring 1. Vorsitzende und Clas Steinmann 2. Vorsitzender.

Heute umfasst das aktuelle Künstlerverzeichnis der Gesellschaft über 70 aktive Künstlermitglieder, insgesamt gehören dem Verein rund 250 Mitglieder (Künstlermitglieder und Kunstfreunde) an.

Seit über 60 Jahren wirkt die Gesellschaft als gemeinnütziger Verein in Trier und trägt in hohem Maße zum kulturellen Leben der Stadt bei. Sie bindet sich weder an Richtungen noch an Generationen. Sie will die Vielfalt der Bildenden Kunst in der Region Trier dokumentieren, gleichzeitig Impulsgeber durch Ausstellungen mit externen Künstlern sein. In der Galerie Palais Walderdorff finden jedes Jahr mindestens 8 Ausstellungen statt, hinzu kommen die traditionelle Jahresausstellung in der TUFA und Sonderausstellungen wie 2012 Andenken- Erinnerungsstücke, 2013 Mut zur Lücke und 2014 Auf den Hund gekommen.

(Text: Dr. Bärbel Schulte in Index 2007, Künstlerverzeichnis, ergänzt und aktualisiert)